“Nicht fürs Süße, nur fürs Scharfe und fürs Bittre bin ich da; schlagt ihr Leute nicht die Harfe, spielt die Ziehharmonika” – Theodor Kramer

Es ist der 3. April 1958: Theodor Kramer erliegt im Alter von 61 Jahren einem seiner langen Leiden. Die letzten Jahre seines Lebens waren von körperlichen und psychischen Erkrankungen geprägt. Den Literaturpreis, den er von der Stadt Wien für seine Werke verliehen bekommt, kann er nicht mehr entgegennehmen. Der Preis geht an das Werk eines jüdischen, sozialdemokratischen Lyrikers, der in der Zeit des Nationalsozialismus lebte und wegen allem, was er verkörperte, aus seiner Heimat fliehen musste.

Geboren im Januar 1897 als Sohn eines jüdischen Arztes wächst Kramer in Niederhollabrunn bei Wien auf. Obwohl er ab seinem 10. Lebensjahr in der Stadt lebt, kommt er immer gerne zurück aufs Land, und unternimmt lange Wanderungen, auf denen er auch Charakteren begegnet, die er in seinen Gedichten verarbeitet, Vagabunden, Knechten und Huren.

Im ersten Weltkrieg wird er nach der Matura eingezogen und schwer verwundet.

Während eines Germanistik- und Philosophie-Studiums, welches er nicht beendet, arbeitet er als Buchhändler und Büchervertreter. In dieser Zeit, 1927, nimmt er erstmals an einem Gedichtwettbewerb des S. Fischer Verlages teil, bei dem er zwar nicht gewinnt, aber als lyrische Hoffnung gehandelt wird.

Ab 1931 kann er von seiner Lyrik Leben – dann kommen die Nationalsozialisten an die Macht. In dieser Zeit verliert er als Jude, Anhänger der Sozialdemokraten und Lyriker, der den Krieg und die Gesellschaft unromantisch und in ihrer Grausamkeit darstellt, alles und schafft es erst 1939 mit Hilfe seines Bewunderers Thomas Mann zu seiner Frau ins britische Exil zu fliehen.

Achtzehn Jahre lebt er im Exil, in denen er zwar schreibt, jedoch weitgehend in gesellschaftliche Vergessenheit gerät. 1957 erhält er ein Ehrendomizil in Wien, doch endet sein Leben kurz danach.

Theodor Kramer war ein Einzelgänger, der in seinen Gedichten soziale und politische Themen seiner Zeit ungeschönt aufarbeitete und für seine Überzeugungen einstand und daür den Preis des Heimatverlustes bezahlte.