“Nicht fürs Süße, nur fürs Scharfe und fürs Bittre bin ich da; schlagt, ihr Leute, nicht die Harfe, spielt die Ziehharmonika.“ Ein Zitat, welches die Leidenschaft und das Lebenswerk seines Verfassers treffend beschreibt. Ein Leben als Sozialdemokrat, Schriftsteller und Jude im Nationalsozialismus – Theodor Kramer schrieb Gedichte, die ehrlich von dem sprachen, was diese Zeit ausmachte.

Geboren 1897 als Sohn jüdischer Eltern in Niederhollabrunn/Österreich, wächst Theodor Kramer mit einem älteren Bruder auf. Trotz des jüdischen Hintergrundes spielt Religion keine große Rolle in der Erziehung. Bereits während seiner Schulzeit in Wien unternimmt er seine ersten lyrischen Gehversuche- und bemüht sich vergeblich, sie zu publizieren.

Nach der Matura 1914 und einem Einsatz im Ersten Weltkrieg, in dem er schwer verwundet wird, erfolgt im Jahre 1926 seine erste Gedichtveröffentlichung unter dem Titel “anderes Licht” in Wien. Weitere Gedichte und Gedichtbände folgen. Insgesamt hat Kramer über 10.000 Gedichte geschrieben, von denen bis heute nur ca. 2.000 publiziert wurden. Ab 1931 arbeitet er dann als freier Schriftsteller und heiratet 1933 seine Freundin Inge Halberstamm. Die Ehe zerbricht 1942, wird jedoch nie geschieden.

Der Beginn der Diktatur und der Anschluss Österreichs an Deutschland im Zweiten Weltkrieg bedeutet für den sozialdemokratischen Lyriker mit jüdischem Hintergrund nicht nur Berufsverbot. Seine Schriften kommen auch auf die Liste des “schädlichen und unerwünschten Schrifttums”. Er verliert jegliche Perspektive. Nach dem Tod des Vaters 1936 wird 1942 seine Mutter ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und dort ermordet, was Kramer erst nach dem Krieg erfährt. In seiner Lebenskrise schafft er es mit großen Schwierigkeiten, seiner bereits geflohenen Frau nach London zu folgen, wo er bis 1957 lebt.

Nach einem Schlaganfall kommt er schwer erkrankt und depressiv zurück nach Wien, wo er 1958 stirbt. Die ehrliche, jedoch damit auch unromantische Lyrik Kramers wurde von vielen Schrifstellern gewürdigt und unterstützt. Vielleicht sind seine Gedichte durch seine lange Zeit im Exil ein wenig in Vergessenheit geraten – und doch ist er, nicht nur nach Thomas Mann, “einer der größten Dichter der jüngeren Generation”.