Der österreichische Lyriker Theodor Kramer war bekannt für seinen liedhaften, unromantischen Schreibstil. Literarische Vorbilder waren Berthold brecht und Georg Trakl. Seine Gedichte entstammen häufig wahren Begebenheiten seines sehrbewegten Lebens. Sein familiärer und politischer Hintergrund, sein Gesundheitszustand und die gesellschaftlichen Umstände der Zeit, in der er lebte, begründeten seine Werke und führten auch zu einer Aussonderung auf die “Liste des schändlichen und unerwünschten Schrifttums” der Nationalsozialisten.

Kramer wuchs ländlich in Niederhollabrunn in Niederösterreich auf. Sein Vater arbeitete als Landarzt. Die Familie war die einzig jüdische im Dorf, jedoch spielte Religion keine große Rolle in Kramers Erziehung. Obwohl er ab seinem 10. Lebensjahr in Wien lebte, zog es ihn oft zurück in die Natur. Auf diesen Ausflügen traf er Menschen, denen er in seinem Gedichtband “Die Gaunerzinke” (1928) eine Stimme gab und auch die Landschaften in seinem eigenwilligen Stil beschrieb.

Bereits im ersten Weltkrieg wurde er schwer verwundet. Gedichte über dieser Zeit entstanden erst in den Jahren zwischen 1928 und 1930. “Wir lagen in Wolhynien im Morast…” enthielt Kriegsgedichte, er widmete es seiner späteren Frau Inge Halberstamm.

Es folgen weitere kleinere Gedichtbände wie “Kalendarium” 1930, bis 1936 sein bislang größter Gedichtband “Mit der Ziehharmonika” publiziert wurde. Im Jahr zuvor war sein Vater gestorben. Die erhaltene Lyrik, die zwischen 1927 und 1935 entstand, erzählt von Aussetzigen, Existenzlosen, und ist fest in der österreichischen Literaturgeschichte verwurzelt. Auch Kramer selbst erlebte in diesem Jahrzehnt große Existenzängste, denn seit die Nationalsozialisten an der Macht waren, konnte er nicht mehr von seiner Lyrik leben und wurde von Freunden finanziell unterstützt.

Auch in seinen Liebesgedichten (“Laß still bei Dir mich liegen”) spiegelt sich die zarte aber auch drastische Note seiner Lyrik wieder. Kramer veröffentlichte noch weitere Werke, unter anderem über seine Zeit im Exil, in der er sich 1942 als “Verbannt aus Österreich” beschreibt. Kramer war somit ein Heimatdichter, der durch die politischen Geschehnisse seiner Zeit seine Heimat verlor und dies in seinen Werken reflektierte.