“Kein anderer Autor fand für das Schwerste so leicht einen Klang, keiner war so mündlich im Ton und so einprägsam wie die schönsten rumänischen Volkslieder.“ Dieses Zitat von Hertha Müller, Herausgeberin eines literarischen Sammelbandes mit Werken Theodor Kramers, beschreibt, was die Lyrik des Mannes ausmachte, dessen Leben von Krieg, Existenzangst und Nationalsozialismus geprägt war. Und doch schaffte er mit seinen Worten Stimmungen, die die soziale Wirklichkeit der Zeit wiederspiegeln und ebenso poetisch-sanft daherkommen.

Ein besonderes Merkmal seiner Lyrik war die Identifikation mit Außenseitern – seine Gedichte verliehen denen, “die ohne Stimme sind” Ausdruck, Obdchlose und Prostituierte, deutlich geworden durch den Gedichtband “Gaunerzinke” von 1929.

Sowohl der erste als auch der zweite Weltkrieg wird in Kramers Gedichten verarbeitet. Der seiner Frau Inge Halberstamm gewidmete Gedichtband “Wir lagen in Wolhynien im Morast…” erscheint 1931 und behandelt Themen des ersten Weltkriegs. Kramer bevorzugt es, die Dinge realistisch darzustellen, anstatt Belehrendes einfließen zu lassen, was Kritiker bemängeln.

Es folgen z.B. “Kalendarium” 1930, “Mit der Zieharmonika” 1936 und “Verbannt aus Österreich” 1943, in dem Gedichte der Jahre 1938 bis 1942 zu finden sind.

Waren die Themen in Kramers Gedichten überwiegend politisch eingefärbt, gab es auch sanfte bis drastische Liebesgedichte, wie zum Beispiel im Gedichtband “Lass still bei dir mich liegen”, der einzigen Gedichtsammlung, welche sich zurzeit von Kramer auf dem Buchmarkt befindet.

Während seiner Zeit im Exil in England wurden weitere Gedichte veröffentlicht, jedoch geriet seine Arbeit mehr und mehr in Vergessenheit.

Der Tatsache, dass Theodor Kramer über 12000 Gedichte geschrieben hat, von denen bis dato nur circa 2000 veröffentlicht wurden, liegt vielleicht diese Zeit im britischen Exil zu Grunde. Achtzehn Jahre sind es, die die Arbeit des Dichters in der breiteren literarischen Öffentlichkeit vergessen gemacht haben. Seine eigenwilligen und ehrlichen Gedichte jedoch sind einzigartig und spiegeln wieder, was ein Mensch, der Gedichte über Heimat schrieb und seine Heimat schließlich verlor, empfinden muss.